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Der Monat Juli begann sehr gut, mit heißen Tagen und selten unterbrochen von stärkeren Regenfällen. Alles deutete auf eine Fortsetzung des Superjahres 2009, bis auf den kleinen Vegetationsrückstand, der im Weinberg bestand. Dies wäre bei optimalen Wetter fast sogar von Vorteil, um nicht zu hohe Oechslegrade (→ sehr hohe Alkoholgehalte) zu bekommen. Letztes Jahr wies unser Grauer Burgunder schon Anfang Oktober über 95° Oe auf. Doch schon Mitte des Monats zogen anhaltend starke Niederschläge durch Rheinhessen, die Folge waren sinkende Temperaturen auf max. 20-22°C. Von Vorteil zeigte sich wiedermal die frühzeitige Entlaubung der Traubenzone, so dass die Trauben nach den Regengüssen schnell abtrocknen. Das bedeutet den Schutz vor Rohfäule im Spätsommer.

Einseitig entblätterte Traubenzone sorgt für gute Durchlüftung

Ein Monat mit Rekordformat, aber leider nur aufgrund der riesigen Niederschlägen, war der August. Seit Beginn der Wetteraufzeichnung war das der nasseste August überhaupt. Jedoch war der Regen regional sehr unterschiedlich verteilt, ich erinnere mich noch gut an einen Nachmittag im Weingut meiner Großtante in Biebelnheim, an dem innerhalb von 2 Stunden der Regenmesser bis zum Überlaufen voll lief. Zurück in Ober-Flörsheim stellten wir nur die Hälfte an Niederschlag fest. Aufgrund der kurzen Zeitfenster zwischen den Regenfällen war es relativ schwierig für ausreichenden Rebschutz zu sorgen.

Niedrige Temperaturen und weiterhin viel Regen ließen uns Anfang September langsam unruhig werden. Die Mostgewichte lagen aufgrund der niedrigen Temperaturen in diesem und letzten Monat weit unter dem langjährigen Mittel.

Erster Bacchus Federweißer im September

Im Juli rechneten wir noch mit Lesebeginn um den 20. September, aber überstürzt mussten wir am 15.9. unseren Bacchus lesen. Fast alle Beeren waren von Botrytis befallen. Große Mengenverluste waren die Folge, das Mostgewicht war aber auf 94° Oechsle angestiegen, die Säure lag für Bacchus hohen 9 g/l. Es blieb uns kaum Zeit, alle frühreifen Sorten waren von Fäulnis befallen. Müller-Thurgau (78° Oe) war im Vergleich zu den fast komplett faulen Huxel (106° Oe) oder der geernteten Ortega Beerenauslese (123° Oe) noch am gesündesten. Am 19. brachten wir unseren St. Laurent nach Hause, der gesund genug war um ihn auf der Maische vergären zu lassen. Auch hier gab es nur einen geringen Ertrag von 1000l auf 2500m². Am 20. September ernteten wir die ersten Dornfelder und Portugieser Anlagen. 4 Tage später mussten wir die Scheurebe lesen, das Mostgewicht war mit 81° Oechsle moderat, das Säureniveau war aber beispielhaft für die gesamte Lese. Über 16 g/l, das waren Werte wie seit Anfang der 1980er Jahre nicht mehr. Doppelsalzentsäuerung war bei dieser und schon fast allen anderen Sorten vorher mehr als angesagt (Mehr zur Doppelsalzentsäurung hier).

Anlass zur Hoffnung machten spätreifendere Sorten wie die Burgunder. Anfang Oktober kamen deutlich gesündere Sorten wie Weißer, Grauer und Spätburgunder in den Keller, aber selbst der zuletzt genannte musste etwas entsäuert werden. Gegen Ende der Gärung wurde bei allen Pinot’s der biologische Säureabbau eingeleitet (BSA). Die gesündesten Trauben hingen an den Reben von Kerner, Cabernet Sauvignon (78° Oe) und Riesling (86° Oe). Die Sorten wurden zwischen 11. und 16. Oktober geerntet, wobei der Riesling von Stiellähme betroffen war, was bedeutete das einige Trauben schon vor der Lese auf dem Boden lagen. Der Durchschnittsertrag lag bei niedrigen 7500l/ha. Die Folge sind einige leer gebliebene Tanks im Keller, wobei die vollen trotz der schlechten Ausgangslage ein tolles Potential besitzen und jetzt schon hervorragende Jungweine zu probieren sind.

Immerhin einige gefüllte Tanks

Das Weinlager wird leerer….

Ein ausgedünntes Regal im Weinlager

Die vorweihnachtlichen Weintouren sind im vollen Gange und erste Lücken entstehen im Weinlager. Vor allem der Spätburgunder, der Bacchus Kabinett  und unser Müller-Thurgau & Riesling Cuvée in der Literflasche, werden bis Weihnachten fast komplett ausverkauft sein, späte Besteller sollten sich nun beeilen. Erst im nächsten März werden die ersten 2010er Weißweine in die Flasche gefüllt, vorher müssen die Weine noch weiter auf der Feinhefe lagern. Doch sicherlich ist unser Angebot an verschiedenen Sorten groß genug um allen Kunden einen alternativen Wein anbieten zu können.

Nein, ganz so schlimm war das Ende der ersten Dekade des neuen Jahrtausends wirklich nicht , doch für uns Winzer war es sicherlich kein einfaches Jahr. Doch erst mal von Anfang an:

Vordergrund: maschinell vorgeschnitten - Hintergrund: ungeschnitten

Der Januar begann mit bitterkalten Temperaturen von bis zu -20°C, was für manche Rebsorten schon einen kritischen Wert überschreitet. In einer unserer Dornfelder-Anlagen, welche ziemlich windoffen und ungeschützt auf einer Erhebung liegt, haben die letzten zwei Winter wortwörtlich eiskalt zugeschlagen und ein Viertel der Rebstöcke erfrieren lassen. Einige der Stöcke sind zwar im Frühjahr wieder ausgetrieben, doch sind deren Leitbahnen zu sehr geschädigt um noch weiterhin normalen Ertrag zu liefern. Das heißt ca. 500 Rebstöcke müssen nächstes Jahr neu in die Rebzeilen gesetzt werden.

Zapfenschnitt in einer Dornfelder Anlage

Auch der Februar ging so weiter wie der Januar aufhörte, schneereich und klirrend kalt. Der Rebschnitt war im vollen Gange und warme, dicke Winterstiefel waren notwendig um den gesamten Tag in der Rebzeile  bei all den Schneemassen auszuhalten. Daher waren die Arbeiten im Keller um die ersten Weine füllfertig zu filtrieren eine wärmende Abwechslung. Mitte Februar war dann der Rebschnitt abgeschlossen und es wurde begonnen die abgeschnittenen Reben aus dem Drahtgerüst herauszuziehen.

Der März zeigte sich aus klimatischer Sicht anfangs kaum verändert und so wurde das Anbinden der Reben immer wieder durch das Abfüllen der ersten 2009er Weine unterbrochen. Mitte bis Ende des Monats wurde es dann etwas wärmer und die Reben begannen leichte Anfänge von Wachstum zu zeigen.

 

Frisch abgefüllter Grauer Burgunder

Im April setzte sich das gute Wetter fort, leider fehlte der Niederschlag, der zu Beginn des Jahres noch im Überfluss vom Himmel fiel, so dass nicht ausreichend Feuchtigkeit für normales Rebwachstum vorhanden war. Dadurch konnten wir vorhandenes Zeitbudget für die Abfüllung der restlichen 2009er Weine nutzen, welche sich durchweg als hervorragend erwiesen. Selten gab es einen so homogenen Jahrgang, bei dem sich selbst die Basis Literweine als große Klasse zeigten. Ende des Monats sorgte ein leichter Spätfrost dafür, dass manche Rebsorten in Frostlagen empfindlich getroffen wurden. Triebe auf den Bogreben die schon etwas ausgetrieben waren, starben teilweise ab und hinterließen somit für den Rest des Jahres Lücken in der Laubwand.

Auch Unfälle blieben im Frühjahr nicht aus....

Der Mai brachte dann das ausgebliebene Aprilwetter, das Rebwachstum war weiter gehemmt. Erst Mitte des Monats stiegen die Temperaturen so weit an, dass die Weinberge zum ersten mal geheftet wurden (d.h. die Drähte werden zur Stabilisierung der Triebe hochgelegt). Jedoch hatte das Wetter schon für einen Vegetationsrückstand von 10-14 Tage gesorgt. Bei Höchsttemperaturen um den 23. Mai von bis zu 26°C und mehreren Niederschlägen seit Anfang des Monats, war es dann pötzlich für die Reben möglich in hohem Tempo auszutreiben und es wurde schwierig für uns mit den Heftarbeiten Schritt zu halten. Das wechselnde Wetter sorgte für große Unterschiede zwischen den einzelnen Rebsorten. Während späte Sorten erst 20-30cm groß waren und einmal geheftet werden mussten, waren windbruch-empfindliche Sorten wie Dornfelder oder Portugieser schon zum 2. Mal geheftet.

Gescheine vor der Blüte – Abbildung: wikipedia.de

Die Rebblüte Anfang bis Mitte Juni verlief klimatisch unter erschwerten Bedingungen. Durch den Rückstand im Wachstum, war der Fruchtansatz geringer als in Durchschnittsjahren. Dies und kühle Temperaturen im Blüteverlauf, sorgten für Mengenverluste deren wahren Ausmaß sich erst bei der Lese im Herbst zeigen sollten. (Kalte Temperaturen sorgen für Verrieslung an den einzelnen Gescheinen, weniger einzelne Beeren sind die Folge.) Durch die heißen Tage Ende Juli konnte der Vegtationsrückstand etwas aufgeholt werden.

 

Blühender Geschein

Die Monate Juli bis zu Lese im Herbst folgen in Teil II ….

Neue Etikettiermaschine

Endlich ist die lange erwartete neue Etikettiermaschine für Selbstklebeetiketten im Weingut eingetroffen. Noch hat sie ihren endgültigen Platz nicht gefunden (der wird noch von der alten Maschine blockiert), jedoch ist sie schon bereit für das Etikettieren der ersten Flaschen. Auch ein automatischer Kapselaufsetzer ist vorhanden, was uns die Möglichkeit gibt, von nun an bis zu 1800 Fl/h auszustatten.

Neue Etikettiermachine

St. Laurent & Reh

Zuerst einmal etwas zur Rebsorte:

Der St. Laurent ist eine sehr alte Burgunder-Sorte, ursprünglich aus Frankreich. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts wird sie in Deutschland angebaut und von dort gelangte sie nach Österreich, wo der Pinot St. Laurent, wie er auch genannt wird, einer der wichtigsten Rotweinsorten ist. In den deutschen Anbaugebieten war sie bis zum Ende der 1990er Jahre fast ausgestorben, seitdem erlebt sie aber in Rheinhessen und Pfalz eine Renaissance und wird mittlerweile auf über 600 ha wieder angepflanzt.

Rehrücken und St. Laurent - eine perfekte Kombination

Nun zum 2008er St. Laurent aus der Hangen-Weisheimer Sommerwende, dessen ungezwungene Art ihn zum perfekten Begleiter zu Rehrücken mit Pfifferlingsauce, Kartoffelklößen und Preiselbeeren in Birne macht. Mittlerweile hat er eine optimale Trinkreife erreicht, ein mittelskräftiger Körper aber intensiver Duft nach Waldbeeren sind nicht zu penetrant für das zarte Reh. Reife Tannine und eine feine Holznote sorgen für eine angenehme Adstringenz und belassen einen lang anhaltenden, leicht rauchigen Nachhall am Gaumen.

Trinkempfehlung für den 2008er: Jetzt und 2-3 weitere Jahre

Leider ist der Jahrgang mittlerweile vollständig vergriffen, der 2009er ist jedoch erhältlich und noch klarer definiert als der, des Vorjahres. Eine geringere Säure und ein etwas intensiverer Holzton machen diesen Wein aus dem Superjahr 2009 aus. Jedoch braucht er noch mindestens ein halbes Jahr bis zur Trinkreife.

Letzte Trauben in der Kelter

Vergorene Cabernet Maische in der KelterEin Herbst mit schwierigen Bedingungnen und anfangs vielen faulen Trauben geht zu Ende. Säurewerte wie seit den 1980er Jahren nicht mehr sorgten für viel Arbeit im Weinkeller.

Nun findet die Traubenlese 2010 ihren Abschluss mit unserem Cabernet Sauvignon, dessen Maische nach vollendter alkoholischer Gärung und abschließender 3-Tägiger Maischestandzeit nun gekeltert wird.

Ein kompletter Herbstbericht folgt…

Glanzlichter 2010

Nachdem die 2009er Glanzlichter ein voller Erfolg wurden, wird unser Projekt auch dieses Jahr fortgesetzt. Die Basis für die tolle Qualität in der Flasche, muss natürlich schon im Frühjahr/Sommer gelegt werden und besteht unter anderem aus der Teilung der Trauben.

Auf dem Bild sieht man das Ergebnis des Ausdünnens im Weinberg, wodurch der Ertrag auf ca. 5000 ltr./ha reduziert wird.

Manchmal tut es fast weh, die gesunden, jungen Trauben zu entfernen und es ist auch immer ein Risiko dabei, denn das Wetter kann zu weiteren extremen Ertragsverlusten führen. Jedoch nur so kann ein Spitzenwein erzeugt werden……

Geerntet wurden von 2 Rebparzellen (eine jüngere und eine alte) ca. 1000 ltr. Riesling Spätlese mit 88° Oechsle. Vergoren wird dieser auch diesmal wieder spontan, denn nur so ist Identität unseres Sommerwende Rieslings zu wahren.

Nachdem dieser letztes Jahr trocken ausgebaut wurde, wird der 2010er als restsüße Spätlese in die Flasche gefüllt.

Die letzten Trauben 2010

Heute wurden die letzten Trauben für dieses Jahr gelesen. Der Cabernet Sauvignon (78° Oechsle)  und der Riesling (88° Oechsle) aus der Hangen-Weisheimer Sommerwende sind im Kelterhaus eingetroffen. Während der Riesling aufgrund seiner leicht eingetretenen Fäulnis schnell abgepresst wurde, wird der Cabernet Sauvignon auf der Maische vergoren und danach erst abgepresst. Wir alle sind über einen recht reifen Abschluss der Lese erfreut und hoffen, dass sich auch dieses Jahr wieder reizvolle und schmackhafte Weine entstehen.

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